Authentic Relating Kurs: Erfahrungen mit ART Level 1
Authentic Relating Training - Level 1: Foundations
Ich habe den Kurs „ART Level 1: Foundations“ von Authentic Relating Training International* absolviert — sechs Wochen, online via Zoom, mit einer Gruppe von maximal 15 Teilnehmenden. Der Kurs kostet 395 US-Dollar und vermittelt die Grundlagen der Authentic Relating Praxis: die fünf Prinzipien, strukturierte Übungen für tiefere Gespräche, und Werkzeuge für einen anderen Umgang mit Konflikten. Auf dieser Seite teile ich, was mich überrascht hat, wo meine Zweifel lagen — und ob ich den Kurs weiterempfehlen würde.
*Der Link zum Kurs ist ein Provisionslink. Wenn du dich über diesen Link anmeldest, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass sich der Preis für dich ändert. Damit finanziere ich die Kosten der Seite und kostenfreie Authentic Relating Game Nights.
An wen richtet sich ART Level 1?
Du brauchst keinerlei Vorerfahrung — weder mit Authentic Relating noch mit Gruppenarbeit oder Persönlichkeitsentwicklung. Der Kurs ist bewusst so aufgebaut, dass Einsteiger*innen sich intuitiv zurechtfinden, während Menschen mit Vorerfahrung in den Übungen neue Tiefe entdecken.
Level 1 ist besonders wertvoll, wenn du merkst, dass deine Gespräche oft an der Oberfläche bleiben und du nicht weißt, wie du sie vertiefen kannst, ohne dass es gezwungen wirkt. Oder wenn du in Konfliktsituationen dicht machst oder eskalierst und dir einen anderen Umgang wünschst. Oder wenn du beruflich mit Menschen arbeitest — als Coach, Therapeut*in, Mediator*in, Facilitator*in oder Führungskraft — und dein Repertoire um etwas erweitern willst, das tiefer geht als klassische Kommunikationsmodelle.
Was du nicht erwarten solltest: eine Therapie. Der Kurs ist transformativ, aber er ersetzt keine professionelle psychologische Begleitung. Wenn größere emotionale Wunden noch offen sind, ist es sinnvoll, diese vorher oder parallel therapeutisch zu begleiten.
Praktische Erfahrungen und Ergebnisse
Mein größter Zweifel vorher? Dass es online funktioniert. Authentic Relating lebt von Präsenz, von dem, was zwischen Menschen im Raum schwingt — wie soll das über Zoom gehen? Ich hatte erwartet, dass der Funke nicht überspringt, dass die Übungen sich steril anfühlen, dass am Ende ein nettes Seminar steht, aber kein echtes Erlebnis.
Ich lag falsch.
Unsere Trainerin Stephanie hat das von der ersten Session an aufgelöst. Sie begann nicht mit Theorie, sondern mit kleinen Embodiment-Übungen — ankommen, spüren, den eigenen Körper wahrnehmen, bevor überhaupt jemand etwas sagt. Dieses Muster zog sich durch den gesamten Kurs: Zwischendurch immer wieder Bio-Breaks und Momente der Selbstverbindung, wodurch die Sessions nie in reine Kopfarbeit abgedriftet sind.
Richtig überrascht hat mich das Spiel Ener-Ki: Körperübungen in Zweiergruppen — über Zoom. Klingt absurd, war aber körperlich richtig fordernd und hat einen Riesenspaß gemacht. Dass wir uns vor dem Bildschirm gemeinsam bewegt haben, hat etwas gelöst, das reines Reden nie geschafft hätte. Danach war die Energie im Raum eine völlig andere.
Stephanie hatte dabei eine besondere Gabe: Sie streute immer wieder kleine Sätze ein — „Nuggets“, die in ihrer Einfachheit eine erstaunliche Wirkung entfalteten. Sätze, die ich mir hastig notiert habe und die mich noch Wochen später begleitet haben. (Tipp: Halte etwas zum Schreiben bereit, auch wenn du nach jeder Session eine Zusammenfassung per E-Mail bekommst.)
Der Moment, an dem es bei mir wirklich „klick“ gemacht hat, war das Spiel „Curiosity“ in Session 4. Der Untertitel ist „Never have a boring conversation again“ — und das ist keine Übertreibung. Die Wiederentdeckung einer kindlichen Neugier, die Fähigkeit, einen Menschen vor dir mit echtem Staunen zu betrachten statt mit Annahmen — das hat bei mir etwas verschoben, das über den Kurs hinaus wirkt. Ich ertappe mich seitdem regelmäßig dabei, dass ich in Alltagsgesprächen anders zuhöre.
Was mich am meisten überrascht hat: Wie schnell wir als Gruppe zusammengewachsen sind. Nach der zweiten Session fühlte es sich nicht mehr nach „Zoom-Kurs“ an, sondern nach einem Raum, in dem echte Begegnung stattfindet. Wenn du jemandem über den Bildschirm in die Augen schaust und sagst, was du gerade wirklich wahrnimmst — dann ist das Kabel dazwischen plötzlich egal.
Die 6 Sessions - Aufbau und Inhalte des Kurses
Der Kurs ist in sechs wöchentliche Sessions gegliedert, die bewusst aufeinander aufbauen. Jede Session kombiniert Theorie, Embodiment-Übungen, Breakout-Rooms in kleinen Gruppen und Gruppengespräche. Hier ein Überblick:
Session 1 — Ankommen Was ist Authentic Relating? · Slowing Down · Die fünf Prinzipien · Drei Ebenen der Konversation — eine Karte der Intimität · Welcome Everything Spiel: Assume Nothing
Session 2 — Zuhören Nichts vermuten · Reflektieren · Impact mitteilen · Deep Listening Schwerpunkt: Die Kunst des tiefen Zuhörens
Session 3 — Kontext Kontext setzen · Verhandeln und Zustimmung einholen · Kontext in Beziehungen · Würde und Demut Spiel: Guru on the Hill
Session 4 — Neugier The Witness · Neugierde · Undamning Spiele: Curiosity & The Witness
Session 5 — Konflikt Unbehagen · Konflikttransformation · Relational Aikido Schwerpunkt: Relational Aikido in der Praxis
Session 6 — Integration Relational Alchemy Schwerpunkt: Relational Alchemy in der Praxis
Gut zu wissen: Format, Preis und Vorbereitung
Sechs wöchentliche Sessions via Zoom (ca. 2-3 Stunden pro Session) oder als zweitägiges Intensiv-Präsenztraining. Die Live-Workshops in Deutschland leitet Pauline Drewfs — auch auf Deutsch. Die Online-Variante läuft auf Englisch, wobei es regelmäßig Kohorten gibt, die zeitlich auf europäische Teilnehmer*innen abgestimmt sind.
Maximal 15 Teilnehmende — klein genug für persönliche Betreuung, groß genug für Vielfalt in den Breakout-Übungen.
Kosten: 395 US-Dollar. Mit dem Code AUTHENTIC5 bekommst du 5% Rabatt.
Du musst nichts tun. Es schadet nicht, dich vorab mit den fünf Prinzipien vertraut zu machen — es ist dann spannend, sie im Training live und in Action zu erleben. Aber es ist keine Voraussetzung, da Level 1 alles von Grund auf vermittelt. Was ich empfehlen würde: Sorge dafür, dass du während der Sessions ungestört bist, Kamera an, und etwas zum Schreiben in Reichweite — für die Nuggets, die man sich notieren will.
Fazit: Würde ich den Kurs empfehlen?
Ja — mit einer Einschränkung. Wenn du erwartest, dass dir jemand sechs Wochen lang erklärt, wie Beziehungen funktionieren, wirst du enttäuscht. ART Level 1 ist kein Vortrag mit Übungen dran. Es ist ein Raum, in dem du die Prinzipien am eigenen Leib erlebst — manchmal unbequem, oft überraschend, und mit Momenten, die sich anfühlen wie nach Jahren Freundschaft statt nach einer Stunde Zoom.
Was ich mitnehme: Ein anderes Zuhören. Die Fähigkeit, in Konflikten präsent zu bleiben, statt dicht zu machen oder zu eskalieren. Und die Erfahrung, dass echte Verbindung zwischen Menschen möglich ist — auch über einen Bildschirm, auch mit Fremden, auch in sechs Wochen.
Der Kurs ist eine Investition von 395 Dollar und sechs Abenden. Was du dafür bekommst, wirkt länger als der Kurs dauert.
